Anleitung zur Handaufzucht

Ein aufwendiges, mühevolles und Geduld erforderndes Unterfangen ist die Handaufzucht von mutterlosen Babykatzen. Vorweg soll gleich bemerkt werden, dass eine Handaufzucht nur im äußersten Notfall durchgeführt werden sollte, z. B. wenn die Mutterkatze verstorben ist, bei Findelkindern oder ähnlichen Notfällen. Kitten frühzeitig, d.h. vor Beendung der 8. Lebenswoche, von der Mutter wegzunehmen, ist auf keinen Fall, außer in extremen Notsituationen, anzuraten und auch durch das österreichische Tierschutzgesetz geregelt.

Grundausstattung für die Handaufzucht

Aufzuchtsmilch ist ein Pulver, das mit abgekochtem Wasser oder abgekochtem kohlesäurenfreiem Mineralwasser laut Dosieranleitung vermengt (zu dick angerührte Milch kann zu Verstopfung führen) und gut geschüttelt wird und danach zur Abkühlung unter kaltes Wasser gehalten wird. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Milch keine Klumpen bildet. Sollte das dennoch passieren, muss der gesamte Inhalt gesiebt werden. Die abgabebereite Milch sollte um die 37-38° haben, am besten testet man die Wärme mit einem Thermometer.

Die Milch muss den Kätzchen spätestens eine Stunde nach der Zubereitung verabreicht werden.

Aufzuchtsmilch gibt's von verschiedenen Herstellern und ist beziehbar im Zoofachgeschäft oder beim Tierarzt.

Bitte nicht mit Katzenmilch verwechseln!


Fencheltee: sehr ratsam ist auch die Anschaffung von mildem Fencheltee, weil es immer wieder vorkommt, dass Kitten unter Verdauungsstörungen wie Durchfall, Blähungen oder Verstopfung leiden. Hier kann man mit mildem Fencheltee vorbeugen, indem man entweder Teile des Wassers durch Fencheltee ersetzt oder das Pulver überhaupt mit Fencheltee vermischt.


Fläschchen mit passendem Saugaufsatz: ist oft dem „Aufzuchtsmilch-Paket" bereits beigefügt. Allerdings sind nicht alle Sauger gleich gut und bei manchen ist es so gut wie unmöglich, eine passende Öffnung in den Gummi hineinzubringen, zumal die Öffnung ja auch nicht zu groß sein sollte (Gefahr des Verschluckens). Am besten besorgt man sich gleich mehrere passende Sauger, da der Sauger mit der Zeit porös wird oder auch, wenn die Katzenbabys bereits Zähne ausgebildet haben, durchgebissen werden kann. Auch das sollte man berücksichtigen, da ein größeres Stück Gummi, das vom Sauger abgebissen und anschließend verschluckt wird, auch zu einem lebensbedrohlichen Darmverschluss führen könnte.

Da es nicht immer leicht ist, passende Öffnungen in die Sauger zu bekommen, ist es am besten, Sauger zu besorgen, die bereits eine Öffnung haben. Sollte ein solcher nicht gerade zur Verfügung stehen, versucht man es am besten so, dass man erst den Sauger flach drückt und anschließend mit einer Nagelschere eine kleine Öffnung hinein schneidet und dann die Nagelschere ein paar Mal dreht. Allerdings muss bei dieser Methode überprüft werden, ob die Öffnung einen gleichmäßigen Milchfluss zulässt und ob das Loch nicht zu groß geraten ist. Nadeln, egal ob heiß oder kalt, sind weniger geeignet, da die Löcher viel zu klein sind und daher ein Saugen viel zu mühsam wäre.

Eine Alternative zum Sauger bieten Einwegspritzen (natürlich ohne Nadel), die man aus der Apotheke beziehen kann. Spritzen gibt es in allen Größen, ich persönlich bevorzuge die kleineren Modelle, weil sie einfach handlicher sind. Hier kann man auch die Aufzuchtsmilch in einem Fläschchen anrichten und immer nur ein bisschen in die Spritze geben und verabreichen und das restliche Fläschchen inzwischen warm stellen. Bevor man eine Spritze in Betrieb nimmt, muss getestet werden, ob sie gleitend zu bedienen ist und nicht „ruckelt", denn gleitet sie nicht gut, kann es passieren, dass man eine zu große menge auf einmal losdrückt und dadurch wiederum die Gefahr des Verschluckens besteht.


Waage: am besten wäre eine digitale Waage mit genauer Grammeinteilung. Gewogen werden sollte anfangs mehrmals täglich, später täglich. Kitten sollten immer zunehmen, niemals abnehmen!


Kuschelnestchen: die kleinen brauchen natürlich auch einen Ort, an dem sie sich wohl fühlen. Wie bei Menschenbabys sollte das ein möglichst kuscheliger Ort sein, der nicht zu groß gefasst sein sollte. Am besten wäre ein Kuschelnestchen mit einem Rand, so dass die Kitten nicht herausfallen können und so einer möglichen Gefahr ausgesetzt werden. Besitzt man kein Kuschelnestchen, kann man auch eine Schachtel oder ähnliches mit einer Decke oder Handtüchern auskleiden und so selbst ein Kuschelnestchen kreieren. Sind die kleinen schon größer, soll darauf geachtet werden, dass ein gefahrloser Ausstieg aus dem Kuschelnestchen oder der Schachtel gewährleistet ist.

Als Einlage für das Kuschelnestchen bzw. Schachtel eignen sich Decken, Handtücher oder auch Windeln. Sägespäne, Holzwolle, Stroh oder dergleichen sind ungeeignet, da Partikel eingeamtet werden könnten, die der Gesundheit der Kitten nicht gerade förderlich sind.


Wärmeflasche, Rotlicht, Heizmatte, Kirschkern- oder Leinsamenkissen: da kleine Babykatzen keine Eigenwärme besitzen, sollte man unbedingt eine Wärmeflasche und/oder Rotlichtlampe verwenden. Die Wärmeflasche muss entweder mit einem Handtuch umwickelt sein bzw. gibt es im Handel auch Wärmeflaschen, die bereits mit einem abnehmbaren Stoffüberzug ausgestattet sind. Benutzt man ein Handtuch zum Umwickeln, sollte man keine Frotteehandtücher verwenden, da kleine Kitten ihre Krallen noch nicht einziehen können und somit leicht an den Handtüchern hängen bleiben können.

Nachdem Wärmeflaschen keine konstante Temperatur halten können, sind sie logischerweise öfters neu zu befüllen!

Eine Rotlichtlampe ist sicherlich auch kein Nachteil, allerdings darf sie nicht durchgehend angewandt werden. Meine Empfehlung liegt bei 10-20 Minuten durchgehender Bestrahlung, danach sollte eine einstündige Pause eingelegt werden und dann wird der Rhythmus wiederholt. Setzt man die Rotlichtlampe länger durchgehend ein, kann dies zu Verbrennungen führen. Rotlichtlampen sollten allerdings nur ergänzend eingesetzt werden, die Wärmeflasche soll sie aber nicht ersetzen.

Heizmatten habe ich persönlich noch nicht ausprobiert, man hört aber immer wieder, dass sie bei Handaufzuchten gerne verwendet werden. Allerdings hätte ich wegen des Kabels Bedenken. Eine Alternative zur Heizmatte wären auch Kirschkernkissen oder Leinsamenkissen, die man in der Mikrowelle aufheizen kann, allerdings ist hier sehr streng auf die Temperatur zu achten!

 

Die Fütterung

Wie oft soll man füttern?

Meine persönliche Meinung dazu ist, dass immer gefüttert werden soll, wenn die Kitten Hunger haben. Natürlich kann es vorkommen, dass man Kitten hat, die nicht gerade die großen Esser sind, deshalb habe ich eine kleine Liste zur Orientierung erstellt:

1. Lebenswoche: alle 2 Stunden, zwischen 2 und 6 Milliliter pro Mahlzeit (auch nachts)
2. Lebenswoche: alle 2-3 Stunden, zwischen 5 und 10 Milliliter pro Mahlzeit (nachts alle 3-4 Stunden)
3. und 4. Lebenswoche: alle 3-4 Stunden, ca. 8 bis 15 Milliliter pro Mahlzeit (nachts alle 4-5 Stunden)
5. und 6. Lebenswoche: alle 4 Stunden, ca. 15-20 Milliliter pro Mahlzeit (nachts nur mehr, wenn notwendig)

Darstellung der Liste nach Gewicht:

Gewicht  Wie oft  Wie viel 
100 - 200 Gramm  Alle 2 Stunden  2,5 bis 5 ml Maximum 60 ml pro Tag 
200 - 300 Gramm  Alle 2 bis 3 Stunden  5 bis 13 ml Maximum 120 ml pro Tag 
300 - 360 Gramm  Alle 3 Stunden  12 bis 15 ml Maximum 120 ml pro Tag 
360 - 420 Gramm  Alle 4 Stunden  15 bis 30 ml Maximum 200 ml pro Tag 

Dies soll eine lediglich eine kleine Orientierungshilfe sein und kann je nach Gehalt der Aufzuchtsmilch variieren. Meistens ist im Aufzuchtsmilch-Paket neben der Dosieranleitung auch eine Empfehlung des jeweiligen Herstellers beigefügt, die als Richtwert dienen kann. Diese Liste kann bei Bedarf natürlich abgeändert werden, man merkt sehr schnell, wenn die Kleinen Hunger haben. Entweder machen sie sich mit Schreien oder Fiepsen aufmerksam oder beim Streicheln und Kuscheln beginnen sie, nach der Zitze zu suchen. Wenn man merkt, dass die Kitten Hunger haben, soll man sich nicht strikt an irgendeinen Plan halten, sondern unverzüglich ein Fläschchen richten.


Die Fütterung

Der Start sollte durch Desinfizieren der eigenen Hände eingeleitet werden. Danach legt man sich am besten ein Handtuch (kein Frottee, wie bereits erwähnt) zurecht, um das Aufziehen der Kleidung durch die Krallen der Kitten zu vermeiden und holt sich ein Kitten auf den Schoß. In der Regel klappt alles besser, wenn das Kätzchen in einen entspannten Zustand gebracht wird, indem man es streichelt und ein bisschen kuschelt, bevor es losgeht. Wichtig ist, dass das Kitten auf keinen Fall auf den Rücken gelegt werden darf, weil die Gefahr des Verschluckens in dieser Position zu groß wäre. Es sollte also eine sitzende oder stehende Position sein, bei ganz kleinen natürlich auch eine liegende Position in Bauchlage. Dann führt man den Sauger am besten seitlich ins Mäulchen und schiebt ihn dann langsam Richtung Mitte.

Bei der Fütterung ist die Lochgröße des Saugers von enormer Bedeutung. Ist das Loch zu klein, verlieren die Kleinen oft schon nach kurzer Zeit die Lust oder auch die Kraft, weiterzusaugen und das Ergebnis ist nicht befriedigend. Das Loch im Sauger darf aber auch auf keinen Fall zu groß sein. Oft wird versucht, am Saugaufsatz etwas nachzudrücken, wenn das Kleine trinkt, diese Art der Hilfe kann aber nicht empfohlen werden.

Am besten verwendet man Sauger, die bereits ein vorgefertigtes passendes Loch aufweisen.


Nach der Fütterung

Kitten sind erst mit ein paar Wochen in der Lage, selbst Kot und Urin abzusetzen. Ist eine Katzenmutter vorhanden, übernimmt diese die Aufgabe, indem sie ihre Jungen im Lenden-, Anal- und Bauchbereich leckt und damit eine Anregung der Verdauung in Gang gesetzt wird, bis ein Urin- bzw. Kotabsatz erfolgt. Diese Situation muss bei einer Handaufzucht nachsimuliert werden. Dazu legt man die Kitten nach jeder Fütterung sanft auf den Rücken. Die Massage erfolgt im Lenden-, Anal- und Bauchbereich, sie kann sowohl mit den Händen oder einem weichen Tuch erfolgen, ich persönlich empfehle einen feuchten Waschlappen, der meiner Meinung nach am ehesten der rauen Zunge einer Katzenmutter ähnelt. Das Kitten muss nach jeder Fütterung Urin absetzen. Das Absetzen von Kot muss ebenfalls regelmäßig erfolgen, (mindestens 1 bis 2 Mal täglich), aber nicht unbedingt nach jeder Mahlzeit.

Ab der dritten Lebenswoche kann zusätzlich eine Katzentoilette aufgestellt werden, in die die Kitten ab und zu hineingesetzt werden.

Nach jeder Fütterung müssen alle Utensilien gründlich sterilisiert werden. Man kann sie abkochen oder mit einem hautverträglichen Desinfektionsmittel behandeln.


Gewichtszunahme

Regelmäßig kontrolliert werden muss das Gewicht der Kitten. Am besten führt man ein schriftliches Gewichtsprotokoll, vor allem, wenn man mehrere Kitten hat, sonst kommt man leicht durcheinander.

Im Schnitt nehmen die Kleinen 2 - 15 Gramm täglich zu, durchschnittlich ca. 100 Gramm pro Woche. Sie verdoppeln in etwa sieben bis 10 Tagen ihr Geburtsgewicht. Oft stagniert das Gewicht von einem Tag zu anderen, Vorsicht ist aber geboten, wenn das Kitten abnimmt. Hier ist der Gang zum Tierarzt erforderlich!


Die Entwöhnung

In der Regel beginnen die Kitten im Alter zwischen 4 und 6 Wochen, selbständig zu fressen. Man könnte ab der 4./5. Woche versuchen, die Aufzuchtsmilch mit ein bisschen Nassfutter oder Babybrei aus dem Gläschen (z. B. reines Rindfleisch oder Kalbfleisch) zu vermischen, dazu muss man natürlich das Saugerloch etwas vergrößern und darauf achten, dass sich das Nassfutter wirklich gut vermischen lässt (am besten mit „pastetigem" Nassfutter versuchen), sodass keine großen Brocken vorhanden sind. Hier muss man ein bisschen nach Gefühl handeln, man wird selber merken, ob sie es annehmen oder nicht. Sollten sie es ablehnen, kann weiterhin reine Aufzuchtsmilch weiterverwendet werden und ab und zu kleine Stückchen vom Finger angeboten werden. Es sollen auch hier nicht zu große feste Brocken sein, weil sie am Anfang eher lecken als fressen, denn auch das richtige Fressen will gelernt sein! Weiters empfiehlt es sich, für die Anfütterung stark riechendes Futter zu verwenden. Kommen die Kleinen erst mal auf den Geschmack und nehmen das Nassfutter vom Finger an, kann man mit dem Finger immer weiter zum vorbereiteten Teller mit Nassfutter lenken, bis sie mit ihrem Näschen direkt über dem Teller sind und dann merken sie selbst früher oder später, wo es noch mehr davon gibt.

Haben die Kleinen einmal gelernt, vom Teller zu fressen, kann man weiterhin Aufzuchtsmilch in einem Schälchen anbieten (ruhig bis zur 8. Lebenswoche). Es muss natürlich weiter beobachtet werden, ob sie genug Futter und Wasser bzw. Aufzuchtsmilch zu sich nehmen. Abder 8. Woche sollten die Kitten völlig umgestellt sein auf Katzenfutter.


Mögliche Probleme der Handaufzucht

Verschlucken: ist eine der gefährlichsten Komplikationen der Handaufzucht. Verschluckte Milch kann in die Luftröhre gelangen oder eine Lungenentzündung nach sich ziehen, die im schlimmsten Fall den Tod des Kitten zur Folge hätte.

Sollte es dennoch passieren, wird oft geraten, das Kätzchen auszuschlagen. Diese Methode ist allerdings sehr umstritten, da durch das Ausschlagen möglicherweise Verletzungen im Gehirn hervorgerufen werden könnten. Kitten, die „knacken", sollten eventuell besser mit dem Köpfchen nach unten gehalten werden und es sollte gewartet werden, bis sie kräftig schreien.

Ich persönlich würde hier lieber einen Tierarzt konsultieren, sollte ein Knacken an einem Kitten bemerkt werden.

Verdauungsprobleme: Durchfall von Handaufzuchten sollte genauestens beobachtet werden, denn er kann innerhalb kurzer Zeit zur Austrocknung (Dehydration) führen. Sollte der Durchfall nicht innerhalb eines Tages beendet sein, muss unverzüglich ein Tierarzt aufgesucht werden.

Verstopfung, vor allem in Verbindung mit Blähungen, ist sehr bedenklich, da sie unter Umständen zu einem Darmverschluss führen könnte. Hier wäre ratsam, den betroffenen Kitten als Zwischenmahlzeit eine reine Fenchelmahlzeit zu verabreichen, die man mit einer Messerspitze Traubenzucker pro Kitten versetzt. Auch hier besteht schneller Handlungsbedarf, sollte die Verstopfung durch die vorgeschlagene Vorgehensweise nicht gelöst werden können und es ist ebenfalls unverzüglich ein Tierarzt aufzusuchen.

Austrocknung (Dehydration): Wie bereits erwähnt, ist eine angemessene Wärme für Kitten lebensnotwendig. Ist die Luftfeuchtigkeit zu niedrig und nehmen die Kleinen zusätzlich zu wenig Flüssigkeit auf, besteht das Risiko der Dehydration. Bei schwerer Austrocknung kommt es zu einer Einschränkung der Hautelastizität. Dies kann durch den „Nackentest" überprüft werden. Wenn Sie die Haut im Nacken oder auf dem Rücken zusammenschieben bzw. sanft anheben, gleitet sie nicht sofort wieder in ihre natürliche Lage zurück, sondern bleibt kurz stehen oder lässt sich überhaupt nicht anheben.

Sollte man eine Einschränkung der Hautelastizität bemerken, ist ebenfalls ein Besuch beim Tierarzt dringendst anzuraten!

Ausreichendes Lüften zur Sauerstoffversorgung und Erhöhung der Luftfeuchtigkeit (vor allem im Winter) ist daher dringend notwendig. Idealerweise solle die Luftfeuchtigkeit ca. 55-60 % betragen.

Auskühlung: Katzenbabys benötigen zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur Wärme, die sie normalerweise durch den direkten Körperkontakt mit der Mutter erhalten. Sie besitzen keine Eigenwärme und können auch nicht durch Zittern auf einen Wärmemangel hinweisen. Diese Reaktion setzt erst frühestens gegen Ende der ersten Lebenswoche ein. Bereits geringfügige Abweichungen von der Optimaltemperatur (anfangs etwa 30°C) führen bei drei Tage alten Welpen zu vermehrtem Bewegungsdrang, Unruhe, verstärkter Atmung und Lautäußerungen. Liegt die rektal gemessene Körpertemperatur eines Kitten unter 35°C, stirbt es wahrscheinlich. Außerdem kommt es bei zu niedrigen Temperaturen zu einem Anstieg des Energiebedarfes bzw. -verbrauches.

Hier ist also der Einsatz von Wärmeflaschen gefragt. Sie darf natürlich nicht zu heiß sind und sollte, wie bereits erwähnt, mit einem Handtuch oder Stoff umkleidet werden. Zusätzlich sollten Kitten zugedeckt werden, um die Wärme aufrecht zu erhalten. Kleinen Katzen, die erst wenige Tage alt sind, fehlen die Ausweichreflexe. Deshalb sollte der Liegebereich für die Kätzchen groß genug sein, damit sie sich, wenn sie mobil genug sind, ggf. von der Wärmequelle entfernen können. Wachsen mehrere verwaiste Kätzchen gemeinsam auf, sind die Temperaturansprüche leichter zu erfüllen, da sich die Tiere gegenseitig wärmen können.

In der ersten Lebenswoche werden Temperaturen von etwa 30 °C empfohlen; im Verlauf der nächsten drei Wochen kann die Temperatur um jeweils 2°C gesenkt werden. In der vierten Lebenswoche genügen also 24 bis 26°C.

Verhungern: füttert man zuwenig, kann es aufgrund der geringen Energiereserven zu niedrigem Blutzuckerspiegel kommen, der dann Unterzucker zur Folge hat. Bei Unterzucker (Hypoglykämie) werden zunächst Lethargie und reduzierte motorische Aktivität beobachtet; wichtige Reflexe bestehen noch. Im weiteren Verlauf werden Stell-, Saug- und Abwehrreflexe zunehmend schwächer. Beobachtet man diese Symptome, muss unverzüglich eine tierärztliche Versorgung veranlasst werden!

Gewichtsabnahme: Wie bereits erwähnt, sollte ein Kitten niemals Gewicht verlieren. Sollte jedoch eine Gewichtsabnahme von über 5 Gramm festzustellen sein, lässt das entweder auf Flüssigkeitsverlust, z. B. aufgrund von Durchfall oder ungenügender Fütterung schließen. Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, was Gewichtsverlust zur Folge hätte, hier ist der Gang zum Tierarzt unvermeidlich!


Zu guter Letzt

Handaufzucht bedeutet absolute Hingabe. Man braucht Zeit, Vertrauen und Liebe, um eine Handaufzucht erfolgreich durchzustehen. Es wird immer wieder Momente geben, in denen man Zweifel hat und an seine eigenen Grenzen stößt. Aber hat man eine Handaufzucht einmal erfolgreich gemeistert, wird der Einsatz belohnt durch das Wunder des Lebens und das Glücksgefühl, das man dabei empfindet, ist unvergleichlich.